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Berlins dienstältester Bio-Bäcker: 61 und noch immer knusprig

LECKER Sogar Schweineohren sind aus Ökoprodukten

BERLIN Als das erste Berliner Bio-Brot vor 25 Jahren in Wilmersdorf angeboten wurde, rümpften viele Kunden nur die Nase. Wozu sollte der neumodische Quatsch gut sein? Die 30 Stück, die Bäckermeister Hans-Jürgen Leib damals aus selbst geschrotetem Getreide herstellte, wurden nur von Studenten gekauft.

Hans-Jürgen Leib, inzwischen 61 Jahre alt, muss schmunzeln, wenn er an den Anfang zurückdenkt. »Als ich das Gewerbe anmelden wollte, haben in der Innung alle nur gekichert und gefragt, wie das gehen soll.« Es ging. Aus dem kleinen Bio-Bäckerladen ist heute ein modernes mittelständiges Unternehmen gewachsen. »Wir backen täglich 3000 Brote, 12 000 Brötchen und 2000 Stück Kuchen in Bio-Qualität«, sagt er stolz.

Dass sein Brot früher zwar irgendwie »gesund« schmeckte, der Teig aber sehr schwer und klebrig war, lag an den Zutaten. »Heute gibt es eine Vielfalt an Bio-Rohstoffen, selbst helles Mehl und Zucker«, erklärt der agile Chef. Sein Sortiment umfasst deshalb neben 50 Sorten Brot auch 15 verschiedene Schrippen und 25 Kuchen. Schweineohren und Quarkstrudel mit Kirschfüllung - solche Sachen waren zu Zeiten der »Müsli- und Jesuslatschen-Generation« undenkbar.

»Bio ist kein Nischenprodukt mehr. Die Kunden wollen sicher sein, dass sie Qualität kaufen und greifen deshalb zu«, erklärt er.

Der Preis liegt um etwa zehn Prozent über herkömmlichen Backwaren. Schrippen kosten bei Leib 25 Cent. Damit ist er konkurrenzfähig.

Am Anfang stand ein Backkombinat

Das BioBackHaus hat acht Filialen in Berlin, Potsdam und Falkensee. Es beliefert sieben Wochenmärkte sowie 80 Reformhäuser und Natur- und Feinkostläden. Mit mehr als 70 Mitarbeitern gehört das BioBackHaus zu den größten Bio-Bäckereien in Deutschland. 1992 übernahm Inhaber Hans-Jürgen Leib das ehemalige Backkombinat Nauen, Betriebsteil Falkensee. Nach fünf Jahren Umbau wird dort seit 1997 mit modernen Maschinen produziert.

Am 28. Mai wird in Falkensee, Bahnhofstraße 6, von 13 bis 22 Uhr Jubiläum gefeiert. Gäste sind herzlich willkommen.

BERLINER KURIER, 26. MAI 2005