Pressestimmen

Landrat am Sauerteig

Burkhard Schröder besuchte Hans Leibs Biobackhaus

FALKENSEE Es passierte auf der Grünen Woche in Berlin. Dort hatte Hans Leib, Inhaber des Biobackhauses an der Bahnhofstraße, den Landrat des Havellandes, Burkhard Schröder, in seinen Betrieb in Falkensee eingeladen. Donnerstagabend war es soweit: Der Kreisverwaltungschef kam zu Besuch und traf um 21 Uhr ein. Grund für den späten Termin: Er interessierte sich für die Arbeitsabläufe im sechstgrößten Biobackhaus Deutschlands, die täglich um 19.30 Uhr beginnen.

Das Biobackhaus, das auch das Bundeskanzleramt beliefert, besitzt acht Filialen und sieben Marktstände in Berlin und Brandenburg. Es verzeichnet einen Jahresumsatz von vier Millionen Euro. Insgesamt sind in der Bäckerei und in den Läden knapp 80 Mitarbeiter beschäftigt, 30 davon in Falkensee. 600 Tonnen Getreide werden im Jahr verarbeitet. Die Zutaten kommen zu 90 Prozent aus dem Land Brandenburg. Sie stammen ausschließlich aus kontrolliert ökologischem Anbau. Pro Tag werden durchschnittlich mehr als 3000 Brote und 11 000 Brötchen verkauft. Gebacken wird alles in Falkensee.

Die Bäcker des Backhauses hatten alle Hände voll zu tun und mussten immer wieder die Gäste in den weißen Besucherkitteln aus dem Weg bitten, um riesige Brotregale auf Rollen durch die Hallen zu schieben. Auffallend freundlich begegneten sie dem ungewohnten Treiben an ihrem Arbeitsplatz. »Das ist ja alles noch Handarbeit, was Sie hier machen«, rief Burkhard Schröder ihnen begeistert zu. Der Landrat interessierte sich für die Herstellung von Blätterteig und beobachte ein paar Minuten gebannt die Blasenbildung im Sauerteig. Er ließ sich den Etagenofen für bis zu 500 Brote zeigen und stand staunend neben einem Bäcker, der in zackigen Bewegungen 1500 Brote pro Stunde in Kürbiskernen zu wälzen und in Backformen zu werfen versteht. Das erste Backhaus von Hans Leib stand 1980 in Berlin-Wilmersdorf. 1992 kaufte Leib den Betriebsteil Falkensee des Backkombinates Nauen. »Es hatte den Namen 1. Mai«, begeistert er sich noch heute für die Geschichte seiner Bäckerei, in der nun ökologisch produziert wird. Seit 2001 trägt die Bäckerei ihren heutigen Namen Biobackhaus. Hans Leib ist Bäcker und Ingenieur für Lebensmitteltechnologie. Er besitzt eine große Leidenschaft für den guten Geschmack und nimmt dafür lieber umständlichere Produktionen in Kauf.

So haben die Knackfrisch-Brötchen nur ein Prozent Hefe im Teig. Die Zeit zum Gehen lässt man ihnen. Eine ganze Nacht brauchen sie dafür. »Die sind der Renner, 5000 davon verkaufen wir jeden Tag«, sagt Leib. Dem Landrat, der in Finkenkrug wohnt, hat der Besuch im Biobackhaus Appetit gemacht. Er hat sich vorgenommen, seine Sonntagsbrötchen in Zukunft auch hier zu kaufen.

 

 

STEPHANIE REISINGER, MÄRKISCHE ALLGEMEINE, 20. MAI 2006