Pressestimmen

Biologisches für die Hauptstadt

Ökolandbaubranche hofft auf Förderung / Woidke in Falkenseer Firma

FALKENSEE Warum gibt es in Berliner Supermärkten oft kein Biogemüse von Brandenburger Feldern? An der Suche nach einer Antwort auf diese Frage und Möglichkeiten, den Vertrieb märkischer Produkte zu verbessern, hat sich gestern in Berlin und in Falkensee Agrar- und Umweltminister Dietmar Woidke (SPD) beteiligt. Gemeinsam mit Vertretern der Fördergemeinschaft Ökologischer Landau Berlin-Brandenburg besuchte er das Biobackhaus, in dem jede Nacht rund 3000 Brote, bis zu 15 000 Brötchen und 5000 Stück Kuchen entstehen. Was ist daran biologisch? »Wir verwenden ausschließlich Biogetreide, setzen Biohefe zu und süßen nicht mit weißem Zucker, sondern zum Beispiel mit Honig oder Rohrzucker«, sagt Inhaber Hans Leib.

Ökobauern bewirtschaften in Brandenburg zurzeit rund zehn Prozent der Agrarfläche, der Anteil märkischer Produkte auf dem wichtigen, seit Jahren expandierenden Berliner Bio-Markt liegt bei rund 20 Prozent. Die Nachfrage steigt weiter. Minister Woidke ist mit dieser Situation zwar zufrieden: »Wenn wir das in anderen Branchen hätten, wären wir froh.« Er sagt aber auch, dass »die Defizite Arbeitsplätze kosten«. Michael Wimmer, Geschäftsführer der Fördergemeinschaft ökologischer Landbau, spricht trotzdem von einer »Wachstumsbranche mit einer stabilen Entwicklung«. Die aber müsse politisch unterstützt werden. Es geht um viel Geld: Am Jahresende läuft in der Europäischen Union die aktuelle Förderperiode ab, in Ministerien und EU-Kommission wird über Schwerpunkte für die neue Periode von 2007 bis 2013 beraten. Verbunden damit sind auch Entscheidungen für den ökologischen Landbau - Wimmer hofft, dass sie positiv ausfallen und spricht von einer »ganz neuen Botschaft: Ökolandbau bietet beste Voraussetzungen, grenzübergreifende Arbeitsplätze im ländlichen Raum zu schaffen.« Doch auch er verhehlt nicht, dass sich die Biobranche aus verarbeitenden Betrieben, Groß- und Einzelhändlern überlegen muss, »was sie verbessern kann und welche Initiativen sie ergreifen muss«.

Wie groß das Interesse an biologischen Produkten mittlerweile auch in Brandenburg ist, erlebt Hans Leib jeden Tag. Von seinen neun festen Filialen (sieben in Berlin, je eine in Falkensee und Potsdam), ist der Falkenseer Laden derzeit der erfolgreichste. 2007, wenn das Biobackhaus in der Gartenstadt zehntes Jubiläum feiert, soll die Firma vergrößert werden. Leib: »Es wird zu eng, die Bedürfnisse steigen.«

Kostprobe beim Zwischenstopp in Falkensee: Minister Woidke, Bio-Backhaus-Inhaber Hans Leib und Michael Wimmer, Geschäftsführer der Fördergesellschaft ökologischer Landbau


Kostprobe beim Zwischenstopp in Falkensee:
Minister Woidke,
Bio-Backhaus-Inhaber Hans Leib und Michael Wimmer, Geschäftsführer der Fördergesellschaft ökologischer Landbau (v.l.).
Foto: MAZ/Kuschel

 

STEFAN KUSCHEL, MÄRKISCHE ALLGEMEINE, 3. November 2006