Allgemeine Bäcker-Zeitung, 2008

Bio ist längst professionell geworden

Hans Leib ist »Bioneer«. Er war als Mitbegründer des Brotgartens der erste Bio-Bäcker in Berlin. Dies war vor über 25 Jahren. Der Bäckermeister und Ingenieur für Lebensmitteltechnik ist heute mit 9 Filialen, einigen Marktständen und als Lieferant bei Naturkostläden, Reformhäusern und Kantinen mit seinem BioBackHaus tätig. In Falkensee vor den Toren Berlins werden Getreide und Rohstoffe von Bioland verarbeitet.

ABZ: Bio 1978 und heute. Wo sehen Sie die Unterschiede?
Hans Leib: Nach fünfjähriger Tätigkeit in der Lebensmittelindustrie habe ich gemerkt, dass hier das gemeinsame Arbeiten fehlte. Zu viel wurde gegeneinander und aneinander vorbei gemacht. In der ersten Bio-Bäckerei in Berlin war dies anders. Wir waren hier zu fünft und hatten ein gemeinsames Ziel: Backwaren im Einklang mit der Natur herzustellen. Bio-Rohstoffe in der Form wie heute gab es damals noch nicht. Nur Bio-Getreide stand im begrenzten Maße zur Verfügung, zumal im damaligen West-Berlin das landwirtschaftliche Umfeld nicht so vorhanden war, wie es jetzt da ist. Statt Zucker wurde in der Bio-Bäckerei einfach Honig verwendet, um auch hier näher an der Natur zu sein. Heute ist vor allem das Rohstoffangebot ganz anders. Natürlich ist auch der Markt nicht mehr vergleichbar. Bio ist längst keine politische Einstellung einer Minderheit mehr. Bio wird in allen Schichten der Bevölkerung gegessen und akzeptiert.

 

ALLGEMEINE BÄCKER-ZEITUNG, Nr. 7/2008 vom 16. Februar 2008

Das Berliner BioBackHaus setzt auf
die Mitgliedschaft im Bioland-Verband
Kunden schätzen die strengeren Vorgaben

Heute überlegen viele Betriebe, ob sie in die Bio-Schiene einsteigen wollen. Bäckermeister Hans Leib macht sich darüber schon längst keine Gedanken mehr. Bereits 1978 war er Mitbegründer der Bio-Kollektivbäckerei Brotgarten in Berlin. Zwei Jahre später gründete er dann als Alleinunternehmer das BioBackHaus in Berlin-Wilmersdorf.

Heute hat das Unternehmen seinen Sitz in Falkensee, vor den Toren Berlins. Neun eigene Filialen, acht Marktstände, sowie rund 120 Naturkostläden, Reformhäuser, Kindergärten und Einrichtungen der Gemeinschaftsverpflegung sind Abnehmer der Backwaren aus Falkensee. Jüngst wurde die Produktionsfläche nochmals um 500 m² erweitert. »Nicht nur wegen der Kapazitäten, sondern vor allem auch um qualitativ noch besser zu werden«, zeigt Hans Leib auf.

Wichtig sei, dass es den Kunden schmeckt und hier sieht er Bio als sinnvolle Ergänzung an. »Denn man tut der Natur und sich selbst gleichermaßen was Gutes.«

Zweischicht-Betrieb

Diese Gedanken waren es, die Hans Leib bereits beim Einstieg in das Bäckerhandwerk bewegten. Nach der Meisterprüfung absolvierte der gebürtige Hesse ein Studium der Lebensmitteltechnologie in Berlin. Fünf Jahre war er dann in der Industrie als Ingenieur tätig, was ihm allerdings nie richtig Freude machte. Der Weg führt ihn dann zur ersten Bio-Bäckerei in Berlin, die er zusammen mit Studenten gründete. Hier gibt Leib zu, dass es nicht einfach gewesen sei, wenn fünf Leute gemeinsam entscheiden mussten. Deshalb hat er dann die eigene Bio-Bäckerei, das heutige BioBackHaus, gegründet.

In einem Jugendstilhaus in Wilmersdorf wurde eine typische Stadtbäckerei übernommen. Mit der Zeit platzte die Produktion allerdings aus allen Nähten und es musste ein neuer Produktionsstandort gefunden wurden. In Falkensee fand Hans Leib die Produktionsstätte eines ehemaligen Kombinates und begann dort mit der Renovierung. »Was allerdings eine Komplettsanierung wurde«, kann er heute über den Umbau schmunzeln.
Rund 5000 Brote sowie das gesamte weitere Sortiment einer Bäckerei und Konditorei werden heute dort in zwei Schichten hergestellt.

 

ALLGEMEINE BÄCKER-ZEITUNG, Nr. 7/2008 vom 16. Februar 2008

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